Ein Beispiel: 500 Stück eines individuellen Artikels
Angebot A nennt 4,80 € pro Stück. Angebot B nennt 5,10 €. Auf den ersten Blick scheint A günstiger. Erst die Rückfragen zeigen: A hat 600 € Werkzeugkosten, eine Mindestmenge von 1.000 Stück und nennt nur „ab Werk“. B kalkuliert 500 Stück, die Einrichtung ist enthalten und die Verpackung ist beschrieben. Das ist ein fiktives Rechenbeispiel, kein reales Lieferantenangebot. Die zwei Stückpreise beziehen sich auf unterschiedliche Leistungen und dürfen noch nicht einfach gegeneinander gerechnet werden.
Die Vergleichsbasis zuerst festlegen
Schreiben Sie vor der Preisfrage eine gemeinsame Liste: identische Spezifikation und Zeichnungsversion, Anzahl je Variante, gewünschter Lieferort, Termin, Verpackung und benötigte Nachweise. Wenn ein Anbieter eine Alternative vorschlägt, kennzeichnen Sie sie als Alternative. Nur so sieht man, ob ein niedriger Preis aus einem anderen Material oder aus einem fehlenden Arbeitsschritt entsteht.
Fragen für Ihre Checkliste
- Ist die angebotene Menge dieselbe wie in der Anfrage?
- Sind Material, Maße und Personalisierung identisch?
- Ist die Verpackung je Stück, Karton und Palette beschrieben?
- Sind Muster und Werkzeuge enthalten oder separat?
Vier Kostenblöcke getrennt lesen
Trennen Sie Produktpreis, einmalige Kosten, variable Nebenkosten und Transport. Einmalige Werkzeuge dürfen Sie für die erste Bestellung berücksichtigen, für eine spätere Nachbestellung aber nicht pauschal noch einmal als Neukosten ansetzen. Muster und Prüfungen können projektabhängig hinzukommen. Notieren Sie jede Position als „enthalten“, „beziffert“ oder „offen“; eine leere Zelle ist niemals automatisch null Euro.
Lieferbedingung und Risiko mitlesen
EXW, FCA und DAP können unterschiedliche Übergabepunkte und Pflichten bedeuten. Vergleichen Sie den Preis deshalb erst, wenn Lieferbedingung, benannter Ort und noch nicht enthaltene Leistungen geklärt sind. Vereinbaren Sie für den konkreten Vertrag fachkundig, wer Transport, Ausfuhr, Einfuhr und Versicherung organisiert. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts-, Zoll- oder Steuerberatung.
So fragen Sie fehlende Angaben nach
Eine präzise Nachforderung nennt die Versionsnummer der Anfrage und genau eine Liste offener Positionen: Mindestmenge je Variante, Preisstaffel, Werkzeug, Muster, Lieferzeit, Lieferbedingung mit Ort, Verpackung und Gültigkeit. Fordern Sie eine schriftliche, aktualisierte Version an. Sobald alle Anbieter dieselbe Grundlage beantworten, lässt sich daraus ein nachvollziehbarer Vergleich erstellen.
Lieferbedingungen im Original nachlesen: ICC – Incoterms® 2020



